Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

Entwicklung der Weltwirtschaft6

Die Tatsache, dass in den Sommermonaten dieses Jahres wieder ein positives Wachstum der Weltindustrieproduktion zu verzeichnen war, werten einige Experten als erstes Signal für ein Ende der weltweiten Rezession. Zu diesen positiven konjunkturellen Entwicklungstendenzen haben aber im Wesentlichen die umfangreichen wirtschaftspolitischen Stabilisierungsmaßnahmen beigetragen. Auch volkswirtschaftliche Frühindikatoren legen die Vermutung für eine Trendwende nahe: Der Composite Leading Indicator der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für die Industriestaaten konnte im Juli 2009 gegenüber dem Vormonat zum fünften Mal in Folge einen Anstieg verzeichnen und liegt nun bei 97,8 Punkten. In der Folge revidierte die OECD in ihrer jüngsten Zwischenprognose die Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der G7-Staaten für das Jahr 2009 um 0,4 Prozentpunkte nach oben. Sie geht nunmehr von einem Rückgang um 3,7 Prozent aus. Gemäß den Prognosen von Goldman Sachs wird die Wirtschaft in den entwickelten Ländern dieses Jahr um 3,2  Prozent schrumpfen und für das Jahr 2010 wird wieder ein Wachstum von 1,9 Prozent erwartet. Der Internationale Währungsfond (IWF) geht im Jahr 2009 von einer Reduzierung des globalen Bruttoinlandsprodukts um 1,4 Prozent aus. Für 2010 sieht der IWF wieder ein positives Wachstum von 2,5 Prozent. Sowohl in den aufstrebenden Märkten als auch in einer Reihe von Industrieländern haben sich die positiven Signale für eine mögliche Erholung weiter verstärkt. Für die Wirtschaft in den USA geht die OECD für das Jahr 2009 allerdings unverändert von einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 2,8 Prozent aus. Für Deutschland wird demgegenüber mit einer Reduktion des Bruttoinlandsprodukts um rund fünf Prozent gerechnet (bisher –6,1 Prozent), für Japan von –5,6 Prozent (bisher –6,8 Prozent), für Frankreich von –2,1 Prozent (bisher –3,0 Prozent).

Diese Prognosen zeigen deutlich, dass ein nachhaltiger und zunehmend selbsttragender Erholungsprozess der Weltwirtschaft noch nicht gesichert ist. Es bestehen nach wie vor erhebliche Risiken durch die weiterhin schwierige Lage an den Finanzmärkten, nicht ausgelastete Produktionskapazitäten und eine weitere Verschlechterung der Situation am Arbeitsmarkt.

Entwicklung in den einzelnen Regionen

In den USA hat sich der wirtschaftliche Abschwung gemäß vorläufigen Schätzungen deutlich abgeschwächt. Dazu haben vor allem die nicht mehr so stark rückläufigen Exporte und Investitionen sowie die steigenden staatlichen Investitionsausgaben beigetragen. Vorlaufende Indikatoren deuten auf eine weitere Erholung der Wirtschaft hin. Haupttreiber für diesen Umschwung waren die amerikanischen Industrieunternehmen, spiegelbildlich zu der Entwicklung zur Jahreswende 2008/2009, als die Industrie besonders stark unter dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers gelitten hatte. Die zeitverzögerten realwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise zeigen sich jetzt zunehmend auf dem Arbeitsmarkt. Experten erwarten im Jahr 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in den USA um 2,5 Prozent. Hinsichtlich der mittelfristigen Wachstumsaussichten wird allerdings nach wie vor von einer unterdurchschnittlichen Aufwärtsbewegung ausgegangen. Für das Jahr 2010 wird aus heutiger Sicht ein Wachstum von 2,0 bis 2,5 Prozent prognostiziert.

Auch die chinesische Wirtschaft verzeichnete in den Sommermonaten 2009 wieder ein höheres Wachstum als in den Vormonaten. Mit einem umfangreichen Konjunkturpaket und einer expansiven Geldpolitik konnten Regierung und Notenbank dem Einbruch der Exporte erfolgreich entgegensteuern. Experten gehen davon aus, dass dank der expansiven Geld- und Fiskalpolitik der chinesischen Regierung das Wachstumsziel von 8,0 Prozent im Jahr 2009 erreicht wird. Mit nachlassenden Impulsen seitens der Wirtschaftspolitik wird die Konjunktur im Verlauf des Jahres 2010 wieder etwas an Schwung verlieren. Experten nehmen an, dass im Jahresdurchschnitt 2010 das Wachstum mit 8,5 Prozent gleichwohl noch etwas höher ausfallen wird als in 2009. Auch in Indien haben sich nach Ansicht von Goldman Sachs die Wirtschaftsaussichten weiter verbessert. Getrieben von Infrastrukturprojekten werden die Investitionen weiter anziehen. Deshalb wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Jahre 2009 von 5,8 Prozent und im Jahr 2010 von 7,8 Prozent erwartet. In Brasilien hat sich die Wirtschaft in den vergangenen Monaten ebenfalls wieder leicht erholt. Dennoch gehen die Experten im Jahr 2009 nur von einem Wachstum von 0,2 Prozent aus: 2010 soll das Bruttoinlandsprodukt wieder um 4,2 Prozent zulegen.

Im Eurowährungsraum sind ebenfalls erste Stabilisierungstendenzen sichtbar. Die kurzfristigen Konjunkturindikatoren deuten auf ein Wachstum in dem verbleibenden Quartal des Jahres 2009 hin. Diese positive Entwicklung ist insbesondere auf die anziehenden Volkswirtschaften Frankreichs und Deutschlands zurückzuführen. Die staatlichen Stützungsmaßnahmen haben auch hier wesentlich zur Stabilisierung beigetragen. Die derzeit stärksten Impulse gehen von den Lagerinvestitionen aus, deren Rückgang jedoch zugleich ein Grund dafür ist, dass der Aufschwung in den kommenden Quartalen gebremst wird. Trotz der verbesserten Aussichten gehen die Experten für das Gesamtjahr 2009 von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 3,8 Prozent aus. Nach dem Ausbleiben der beschriebenen Lagerimpulse wird sich das Wachstum im Eurowirtschaftsraum im Verlauf des kommenden Jahres nach Ansicht der Wirtschaftsexperten wieder verlangsamen. So werden die Immobilienpreise in einigen Euroländern voraussichtlich weiter merklich fallen und es besteht das Risiko daraus resultierender Wertberichtigungen. Dies könnte die Banken bei der Kreditvergabe weiterhin beschränken und nicht zuletzt werden Unternehmen und private Haushalte ihre Verschuldung weiter reduzieren.

Auch wenn in Deutschland die Auftragseingänge in der Industrie in den letzten Monaten – zum Teil unterstützt von staatlichen Programmen wie z. B. der Abwrackprämie – wieder gestiegen sind, dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahresvergleich um 5,0 Prozent sinken, nach einem Wachstum von 2,8 Prozent im Jahre 2008. Für das kommende Jahr 2010 gehen Experten von einer Abschwächung der Konjunktur aus, vorwiegend begründet durch den zurückgegangenen Lageraufbau bei den Unternehmen.

Entwicklung an den Devisenmärkten

Der Dollar durchläuft seit Anfang März dieses Jahres eine ausgesprochene Schwächephase. Der handelsgewichtete Dollar hat rund zwei Drittel der zuvor erzielten Gewinne wieder abgegeben. Der Grund dafür sind die konjunkturellen Erholungstendenzen in den großen Industrieländern und die dadurch ausgelösten Kursanstiege an den Aktienmärkten. Der Abwertungsdruck auf den Dollar könnte angesichts weiterhin positiver Konjunkturindikatoren durchaus noch eine Weile anhalten.

Entwicklung an den Rohstoffmärkten

An den Rohstoffmärkten tendierten die Preise unter starken Schwankungen seitwärts. Experten rechnen bei Öl und den Industriemetallen unverändert mit einer Preiskorrektur, da die Märkte trotz der konjunkturellen Erholung in den Industrieländern auch künftig hohe Überangebote aufweisen werden. Hinzu kommen die verstärkten Regulierungsbemühungen, die das Engagement von Finanzmarktteilnehmern vor allem am Ölmarkt unattraktiver machen.

 

6 Quellen: Commerzbank, Economic Research „Konjunktur und Finanzmärkte, September/Oktober 2009“;
Goldman Sachs, „Global Economics Analyst, September/October 2009“;
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, „Schlaglichter der Wirtschaftspolitik“, Monatsbericht September 2009.