Darstellung der wesentlichen Einzelrisiken
Finanzrisiken
Der Demag Cranes Konzern ist im Rahmen seiner operativen Tätigkeit finanziellen Risiken ausgesetzt. Die konzernweite Überwachung, Steuerung und Begrenzung dieser Risiken (finanzwirtschaftliches Risikomanagement) sowie die Optimierung der Finanzierung des Konzerns erfolgen durch das Konzern-Treasury. Vorrangiges Ziel ist hierbei die Sicherung des Bestands und der Ertragskraft des Unternehmens. Die stets angemessene Ausstattung mit Finanzmitteln wird durch eine rollierende Liquiditätsplanung (Cash Forecasting) und ein zentrales Cashmanagement sichergestellt. Hierzu gehören insbesondere Aufnahmen und Anlagen von Finanzmitteln bei Banken. Derivative Finanzinstrumente werden ausschließlich zu Sicherungszwecken eingesetzt, also nur bei einem zugrunde liegenden Basisgeschäft. Hierbei sind die Funktionen Handel, Abwicklung und Controlling (Back Office) konsequent voneinander getrennt.
Folgende Finanzrisiken werden im Demag Cranes Konzern gesteuert:
Risiken der Rahmenfinanzierung
Der Kreditvertrag enthält bestimmte Beschränkungen hinsichtlich der Möglichkeit der Aufnahme weiterer Verschuldung, des Erwerbs oder der Veräußerung von Vermögensgegenständen sowie der Gewährung von Sicherheiten. Zudem müssen Beschränkungen hinsichtlich bestimmter Finanzkennzahlen während der Laufzeit des Kreditvertrags beachtet werden, u. a. festgelegte Verhältnisse von konsolidierten Nettofinanzverbindlichkeiten4 zu konsolidiertem operativem EBITDA5 (< 2,75) und von konsolidiertem operativem EBITDA5 zur zahlungswirksamen Gesamtnettozinsbelastung (> 4,0).
Falls die vertraglich vereinbarten Finanzkennzahlen nicht eingehalten werden und der Verstoß nicht geheilt wird oder die Kreditgeber nicht auf die Einhaltung der Auflagen verzichten, könnte nach den Vertragsbedingungen ein Kündigungsgrund vorliegen, der die Kreditgeber u. a. zur sofortigen Fälligstellung aller Verbindlichkeiten berechtigt. Ferner könnten die Kreditverträge beim Eintritt bestimmter anderer vertraglich vereinbarter Umstände mit sofortiger Wirkung zur Rückzahlung fällig gestellt werden. Ein Kündigungsrecht besteht ferner in bestimmten Fällen des Kontroll- oder Mehrheitserwerbs durch Dritte.
Währungs- und Zinsänderungsrisiken
Die Geschäftsvorfälle des Unternehmens werden überwiegend in den Währungen Euro, US-Dollar und britisches Pfund abgewickelt. Währungsrisiken ist der Konzern insbesondere dann ausgesetzt, wenn Forderungen und Verbindlichkeiten in einer anderen als der lokalen Währung der Gesellschaft bestehen bzw. absehbar entstehen werden. Im Sinne eines aktiven Risikomanagements werden Verbindlichkeiten oder Forderungen in Fremdwährung im Zeitpunkt ihrer Entstehung regelmäßig durch Finanzinstrumente (Devisentermingeschäfte) abgesichert (siehe dazu auch Anmerkung 33 Zusätzliche Angaben zu Finanzinstrumenten im Konzernabschluss).
Risiken aufgrund von Änderungen des Marktzinses können insbesondere aus variabel verzinslichen Darlehenspositionen entstehen und sich negativ auf die Zahlungsströme (Cashflow-Risiko) auswirken. Für die Laufzeit des variabel verzinslichen Rahmenkreditvertrags wurde dieses Risiko durch den Einsatz von Zinsswap-, Cap- und Floor-Vereinbarungen (Collars) entsprechend der geplanten Entwicklung der Verschuldungsposition im Zeitablauf anteilig abgesichert. Die Auswirkungen der Veränderungen des Zinsniveaus auf die Zahlungsströme werden regelmäßig untersucht.
Liquiditätsrisiken
Liquiditätsrisiken können dazu führen, dass der Demag Cranes Konzern möglicherweise nicht in der Lage ist, die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, um eingegangene finanzielle Verpflichtungen aus dem operativen Geschäft oder im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten zu erfüllen. Die Liquiditätssicherung des Demag Cranes Konzerns, unter Berücksichtigung von entsprechenden Reserven für mögliche Sondereinflüsse, ist deshalb fester Bestandteil der laufenden Liquiditätssteuerung. Hierbei ermöglichen der konzerninterne Finanzausgleich im Rahmen des Cash-Poolings und Intercompany-Darlehen eine effiziente Nutzung von Liquiditätsüberschüssen einzelner Konzerngesellschaften für den Bedarf von Finanzmitteln anderer Konzerngesellschaften.
Im Geschäftsjahr 2008/2009 bestanden durch ausreichende Kreditlinien weder Finanzierungs- noch Liquiditätsengpässe. Zum Abschlussstichtag standen aufgrund des Rahmenkreditvertrags der Demag Cranes AG dem Konzern insgesamt 140,0 Mio. EUR an freier Barkreditlinie (2007/2008: 140,0 Mio. EUR) zur Verfügung. Diese Fazilität ist revolvierend mit einer Laufzeit zwischen einem und sechs Monaten abrufbar und hat eine Gesamtlaufzeit von bis zu einem Jahr und neun Monaten. Weiterhin standen aus dieser Kreditvereinbarung zum Bilanzstichtag nicht genutzte kombinierte Aval-/Barkreditlinien in Höhe von 16,4 Mio. EUR (2007/2008: 10,3 Mio. EUR) zur Verfügung.
Ausfallrisiken
Ausfallrisiken ergeben sich, wenn Kunden oder andere Vertragspartner ihren Verpflichtungen aus einem Geschäft nicht oder nicht fristgerecht nachkommen und dadurch finanzielle Verluste verursacht werden. Diesem Adressenausfallrisiko begegnet der Demag Cranes Konzern zum einen mit der Beschränkung auf Kontrahenten guter Bonität, im Wesentlichen basierend auf den Bewertungen nationaler und internationaler Warenkreditauskunfteien, zum anderen mit der konsequenten Einhaltung der von der Warenkreditversicherung vorgegebenen Risikolimits. Unterstützend wirken in diesem Zusammenhang zudem Anzahlungs- und Akkreditivvereinbarungen.
Compliance-Risiken
Unter Compliance-Risiken werden u. a. rechtliche Risiken, Risiken aus Verstößen gegen Compliance-Vorschriften und Risiken aus betrügerischen Aktivitäten berichtet. Der Demag Cranes Konzern hat eine Compliance-Organisation eingerichtet, die durch diverse Compliance-Richtlinien, Compliance-Prüfungen und Schulungsmaßnahmen für Mitarbeiter diesen Risiken begegnet.
Wesentliche Compliance-Risiken sind aus heutiger Sicht nicht erkennbar. Das Compliance-System der Demag Cranes AG wird durch den Vorstand und die Compliance-Officer des Unternehmens stetig weiterentwickelt und den sich ändernden Anforderungen angepasst.
Operative Risiken
Beschaffungsrisiken
Im Hinblick auf die Zulieferer des Demag Cranes Konzerns bestehen gewisse Abhängigkeiten. Diese ergeben sich zum einen daraus, dass bei den Lieferanten von bestimmten Bauteilen und -gruppen nur eine geringe kurzfristige Substituierbarkeit besteht. Zum anderen besteht bei bestimmten Bauteilen, insbesondere bei formgebundenen Teilen, eine technisch-kommerzielle Abhängigkeit. Um dem entgegenzuwirken, hat der Konzern klare Einkaufsstrategien definiert, die die Versorgungssicherheit nachhaltig gewährleisten. In den vergangenen Jahren wurde das Outsourcing stärker betrieben, um die Fixkosten auch im Vergleich zu Wettbewerbern auf einem deutlich niedrigeren Niveau zu halten; dadurch entstehen ebenfalls Abhängigkeiten von den jeweiligen Zulieferern. Die Gesellschaft begegnet den daraus resultierenden Risiken durch eine sorgfältige Auswahl und Begleitung der Outsourcing-Partner unter Einsatz umfassender Lieferantenmanagementsysteme. Ein großer Teil der Produktionskosten entfällt auf Zukaufteile. Da beispielsweise die Stahlindustrie starken zyklischen Bewegungen unterliegt, können die Preise volatil sein. Durch eine Vielzahl von individuell getroffenen Maßnahmen ist der Konzern laufend bestrebt, marktübliche Preiskonditionen abzusichern.
Produktionsprozessrisiken
Aus Produktionsprozessen können sich komplexe Risiken ergeben. Zu den wesentlichen Risiken hierbei gehören unerwartete technische Schwierigkeiten, unvorhersehbare Entwicklungen an den Projektstandorten und Probleme bei Partner- oder Subunternehmen mit den daraus resultierenden Störungen der Logistik. Durch umfassende Richtlinien- und Verfahrensanweisungen zu Projekt- und Qualitätsmanagement, Produkt- und Arbeitssicherheit sowie zum Umweltschutz werden diese Risiken minimiert. Eine weitere Eingrenzung der Risiken erfolgt durch systematische Weiterbildungs- und Qualifikationsprogramme für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, kontinuierliche Verbesserungen von Produktionsprozessen und Technologien sowie regelmäßige Wartung von Anlagen und Systemen.
Eine angemessene Versicherungsdeckung besteht für Verluste infolge von technischem Versagen, Feuer, Explosionen und ähnlichen Vorkommnissen.
Großprojektrisiken
Im Konzern werden potenzielle Großprojektrisiken, wie z. B. Haftungs- und Ertragsrisiken, durch ein striktes Projektmanagement und -controlling kontinuierlich überwacht und begrenzt. Gerade im Bereich von automatisierten Großprojekten kann es jedoch zu nicht geplanten Kostenüberschreitungen kommen, die jedoch durch Haftungsbegrenzungen und die Konzentration auf Kernprodukte beherrschbar sind.
Produktrisiken
Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit werden im Demag Cranes Konzern die Entwicklung neuer Produkte sowie die Verbesserung der bestehenden Produktpalette kontinuierlich vorangetrieben. Trotz des Einsatzes modernster Projektleitungs-, Projektüberwachungs- und Projektcontrollingmaßnahmen birgt die Neuproduktentwicklung ein erhebliches Kostenrisiko. Dieses besteht sowohl in der eigentlichen Entwicklungsphase, aber auch nach der Markteinführung des Produkts durch eventuell auftretenden technischen Nachbesserungsbedarf, der erst im realen Dauerbetrieb der Produkte erkannt werden kann. Risiken aus Produkthaftung können nicht zur Gänze ausgeschlossen werden. Sie können sich in Form von finanziellen Verlusten und Imageschädigung auf den Demag Cranes Konzern auswirken. Zur Abdeckung von Produkthaftungsfällen wurden Versicherungen abgeschlossen.
Informationstechnologie-Risiken
Um die Sicherheit und Effizienz der Geschäftsprozesse aktuell und zukünftig zu gewährleisten, werden die IT-Systeme ständig überprüft und weiterentwickelt. Zur Begrenzung von Ausfallrisiken bei anwendungskritischen Systemen, Websites und Infrastrukturkomponenten werden industrietypische Standards wie Backups, redundante Netzverbindungen und getrennte Rechenzentren eingehalten. Im Geschäftsjahr 2008/2009 haben wir die neu entwickelte gruppenweite IT-Strategie, die für noch mehr Transparenz in den Segmenten, Regionen und Gesellschaften sorgen soll, konsequent in allen Bereichen eingeführt. Insbesondere wurden die SAP-Systeme der Demag Cranes & Components GmbH und der Gottwald Port Technology GmbH einheitlich auf die aktuelle Version 6.0 upgedatet.
Personalrisiken
Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung wird wesentlich getragen von dem Engagement und der Leistungsfähigkeit unserer Mitarbeiter. Dem immer intensiveren Wettbewerb um hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte und den damit verbundenen Risiken in Form von Know-how-Verlust durch Mitarbeiterfluktuation will der Konzern mit attraktiven Qualifizierungsmöglichkeiten sowie leistungsbezogenen Vergütungssystemen begegnen. Daneben wird insbesondere dem Wissensmanagement innerhalb der Gruppe durch konsequente Unterstützung und Förderung des Top-Managements eine hohe Bedeutung beigemessen. Weiterhin entwickeln wir eine neue Strategie zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität unter dem Stichwort „Employer Branding“, um schon heute die Mitarbeiter und Führungskräfte von morgen einzustellen.
Strategische Risiken
Konjunkturrisiken
Die Produkte und Dienstleistungen des Demag Cranes Konzerns sind im Wesentlichen dem globalen Markt für Güterumschlagtechnik und Materiallogistik zuzuordnen. Die Nachfrage nach derartigen Gütern ist in erheblichem Maße von der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung abhängig. Das schwache wirtschaftliche Umfeld und die stark rückläufige Investitionsneigung beeinflussen die Auftragslage des Demag Cranes Konzerns deutlich. Der Konzern rechnet im Rahmen der weiterhin unklaren Aussichten für die Entwicklung der Weltwirtschaft damit, dass sich die wirtschaftliche Situation in seinen Märkten nicht kurzfristig verbessert. Um die Auswirkungen der deutlichen Absatz- und Umsatzrückgänge infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise abzufedern, hat der Demag Cranes Konzern bereits ein Restrukturierungsprogramm beschlossen, das sich zurzeit in der Umsetzung befindet.
Die im Segment Industriekrane angebotenen Krane und Hebezeuge, die in mehreren Industrien Anwendung finden und unterschiedliche Kundengruppen bedienen, sind in hohem Maße von dem Verlauf der Konjunkturzyklen abhängig. Die Prognose der künftigen Marktentwicklung ist weiterhin sehr schwierig. Gefahren verstärken sich dadurch, dass einige unserer Endkunden in zyklischen Branchen bzw. in solchen Branchen tätig sind, die stark auf Veränderungen der wirtschaftlichen Lage sowie auf globale und regionale Trends reagieren. Investitionsentscheidungen der Kunden werden tendenziell verschoben und führen in diesem Segment zu deutlich rückläufigen Auftragseingängen.
Das Segment Hafentechnologie ist vom weltweiten Warenumschlag und dem Wachstum in der Containerabwicklung abhängig. Aufgrund abnehmender Nachfrage gingen die Frachtraten auf den Hauptcontainerrouten zurück. Dies zwingt die Reedereien Frachtrouten zusammenzulegen sowie Containerschiffe stillzulegen. Die Hafenbetreiber reagieren mit der Verschiebung von Großprojekten und Investitionsentscheidungen. Dadurch sind alle Produktgruppen inklusive Servicedienstleistungen der Hafentechnologie von der Konjunkturkrise betroffen. Mittel- und langfristig gehen wir jedoch weiterhin davon aus, dass der globale Transport von Gütern wieder zunehmen und somit Bedarf an entsprechender Umschlagtechnik bestehen bleiben wird.
Im Segment Services machen sich die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise ebenfalls bemerkbar, wenn auch in geringerem Maß als in den beiden anderen Segmenten des Konzerns. Die reduzierte Auslastung der Krane auf Kundenseite führt vorübergehend zum Absatzrückgang der margenstärkeren Ersatzteilumsätze, da Kunden Instandhaltungsmaßnahmen hinauszögern und Modernisierungsprojekte verschieben. Allerdings geht der Demag Cranes Konzern davon aus, dass ein so entstehender Nachholbedarf im Rahmen einer Konjunkturerholung allmählich wieder ausgeglichen werden wird, da die Anlagen im Interesse der Sicherheit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit weiterhin wie üblich gewartet werden müssen.
Preiswettbewerb
Der Demag Cranes Konzern ist in Märkten tätig, die von einem intensiven Wettbewerb geprägt sind und in denen teilweise erheblicher Preisdruck herrscht. Dieser Preisdruck ist besonders in einigen aufstrebenden Ländern zu beobachten. Dort können bei Kaufentscheidungen technologische Vorteile nicht immer angemessen berücksichtigt werden aufgrund der zum Teil sehr begrenzten finanziellen Mittel für Neuinvestitionen.
Um ungeachtet dessen Wettbewerbsvorteile aufzubauen und aufrechtzuerhalten, investiert der Demag Cranes Konzern gezielt in die Produktentwicklung für differenzierte Kunden- und Marktsegmente sowie in den Ausbau des Vertriebs- und Servicenetzwerks.
Wettbewerberrisiken
Für ein global agierendes Unternehmen im Maschinenbau bestehen grundsätzlich Risiken durch die Aktivitäten von Konkurrenten. Die Beobachtung der Wettbewerber lässt den Schluss zu, dass sich der globale Wettbewerb in den Produktbereichen des Demag Cranes Konzerns tendenziell verstärken wird. Diesen Risiken wird durch eine permanente Marktbeobachtung und daraus abgeleiteten strategischen Maßnahmen in den Bereichen Produkte, Preispolitik und Marktbearbeitung begegnet.

